Willkommen beim Sorbischen Schulverein e.V. (SSV)

Der Sorbische Schulverein e.V. wurde im Jahre 1991 nach dem Beispiel des Dänischen Schulvereins gegründet.

Interessensvertretung der Sorben in Sachsen und Brandenburg

Der Sorbische Schulverein vertritt die Interessen der Sorben auf dem Gebiet der zweisprachigen Vorschulerziehung und des zwei- und mehrsprachigen Bildungswesens von den Kindertagesstätten und Grundschulen über Mittelschulen und Gymnasien bis zur universitären Ausbildung.

Der Sorbische Schulverein ist Mitglied des Dachvereins Bund Lausitzer Sorben, der Domowina e.V.

 

Neuigkeiten

Witaj-Kindertagsstätte "Mato Rizo" bekommt den "Mina Witkojc"-Preis

Der erstmals ausgeschriebene "Mina Witkojc"-Preis des Landes Brandenburg geht an die Witaj-Kindertagesstätte "Mato Rizo" in Sielow. Die brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Dr. Martina Münch übergab den Preis am Samstag, den 24. November, um 14.30 Uhr in der Mina Witkojc-Grund- und Oberschule in Burg/Bórkowy (Landkreis Spree-Neiße). Der Landespreis für herausragendes sorbisch-wendisches sprachliches Engagement ist mit 2.500 € dotiert. Die Kinder der geehrten Kindertagesstätte sowie zwei Mitglieder des niedersorbischen Kinder- und Jugendensembles umrahmten die Veranstaltung mit Liedern und Tänzen. Beteiligt waren Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik, sorbischer Institutionen und Vereine aus der Nieder- und Oberlausitz. Der Sielower Kindergarten hat als Erster vor 20 Jahren das Witaj-Projekt eingeführt.

Siehe Link: https://mwfk.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=886460

Laudatio zur Ehrung des Kindergartens „Mato Rizo“ mit der Auszeichnung „Mina Witkojc“  Dr. Viktor Zakar (RCW), Bórkowy, 24.11.2018                                                                               

 Liebe Frau Ministerin Dr. Münch, liebe Frau Budar, liebe Frau Buchan, liebe Frau Schichan, lieber Herr Koinzer, liebe Vertreter der Stadt Cottbus und wendischer Institutionen, liebe Lehrer, liebe Erzieherinnen, liebe Eltern und liebe Kinder, liebe Gäste,

hin und wieder begegne ich Kindern und Jugendlichen, die sehr gut wendisch sprechen. Auf dem Stadtfest ist ein junger Journalist an mich herangetreten, der Meinungen über die Veranstaltung gesammelt hat. Verwundert, dass er so gut wendisch spricht, habe ich ihn gefragt, ob er in die Kita „Mato Rizo” gegangen ist, worauf er überraschend mit ja geantwortet hat. Auch bei der Eröffnung des Semesters im Institut für Sorabistik in Leipzig hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit zwei Studienanfängern, die mich mit guten Wendischkenntnissen überrascht haben. Meine Vermutung, dass die Studienanfänger die Kita „Mato Rizo” besucht haben, war erneut richtig. Jetzt, nach dem Begehen des 20-jährigen Jubiläums des Witaj-Projektes, haben die ersten Sielower Witaj-Kinder schon erfolgreich ihr Abitur abgeschlossen und sich der Ausbildung zugewandt. Einige sind der wendischen Sprache über die Jahre treu geblieben und wenden sie auch heute noch an. Sie arbeiten als Journalisten oder Helfer bei unterschiedlichen wendischsprachigen Projekten, mit denen sie zum Erhalt der wendischen Sprache beitragen und werden dies auch weiterhin tun. Nun ernten wir das, was herangewachsen ist.

„Mato Rizo” war die erste Kindertagesstätte in der Niederlausitz, in der eine Witaj-Gruppe eingerichtet und damit das Witaj-Projekt eingeführt wurde. Die Eröffnung der ersten Witaj-Kita war ein entscheidender Schritt für die Erhaltung der wendischen Sprache. Das Ziel des Witaj-Projektes ist es, durch frühe Vermittlung des Wendischen als Zweitsprache mit Hilfe der international anerkannten Immersionsmethode, Kinder aus deutschsprachigen oder deutsch-wendischen Familien für das Wendische zu gewinnen und die Zahl der Sprecher der wendischen Sprache Schritt für Schritt wieder zu erhöhen. Damals war das eine bahnbrechende Idee und ein  absolutes Novum für alle an diesem Wagnis Beteiligten.

Die Geschichte der Kindertagesstätte in Sielow begann im Jahr 1956. Damals war es eine Kinderkrippe. Im Jahr 1970 ist sie in das Haus umgezogen, in der die Kita bis heute ist. Das Interesse der damaligen Kinderkrippe am Wendischen zeigte sich, als sich im Jahr 1985 fünf Erzieherinnen am intensiven Wendischsprachkurs in Dissenchen beteiligten. Darüber hinaus wurde die Kinderkrippe im April 1986 in „Mato Rizo” umbenannt. Vom Jahr 1996 bis 1998 wurde die Kinderkrippe eine Kita und seit dieser Zeit werden hier Krippen- und Kindergartenkinder betreut.

Der Träger der Kinderkrippe und danach der Kindertagesstätte war am Anfang das Gesundheitsamt. Im Jahr 1991 hat die Kommune und am 1. März 1998 der Sorbische Schulverein die Trägerschaft übernommen. 1998, wie bereits erwähnt wurde, begann auch die Arbeit mit dem Witaj-Modell in der ersten Gruppe. Damals waren es drei Erzieherinnen nach einem halbjährigen intensiven Wendischkurs vom August 1997 bis Januar 1998. Im ersten Kurs, der vom Sorbischen Schulverein in Kooperation mit der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur organisiert wurde, gab es 10 Dozenten. 5 Erzieherinnen absolvierten am Ende die Prüfung. Das Zertifikat erstellten der Sorbische Schulverein und die Schule für niedersorbische Sprache und Kultur. Für diesen Kurs erarbeitete Klaus-Peter Jannasch ein kleines Heft mit zusätzlichem Lehrmaterial und Gerhard Nagora stellte eine Redewendungsliste her. Der Kurs wurde vom Sorbischen Schulverein finanziert. Die Schule für niedersorbische Sprache und Kultur hatte den Sprachkurs durchgeführt, für die Didaktik war aber auch der Sorbische Schulverein zuständig.

Kurz danach wurde in der Kita eine zweite Witaj-Gruppe eingerichtet und alle Erzieherinnen haben Kurse der wendischen Sprache besucht. Für alle Erzieher/innen wurde die Methode der vollständigen Immersion zur Vermittlung der wendischen Sprache eingeführt. Zu den Erfolgen des Witaj-Projektes in dieser Kita haben viele Leute beigetragen, unter anderem die Initiatoren des Witaj-Projektes Jan Bart, Ludmila Budar, Rafael Schäfer und so manche Muttersprachler. Auch die Stadt Cottbus, sorbische Institutionen, die Schule für niedersorbische Sprache und Kultur, die Domowina und später auch das WITAJ-Sprachzentrum in Cottbus und die Stiftung für das sorbische Volk waren an diesem Erfolg beteiligt, im besonderen Maß aber auch die Eltern der Witaj-Kinder. Ohne ihre Unterstützung wäre eine erfolgreiche Arbeit nicht möglich gewesen. Besonders wichtig war auch, dass der Träger der Kita „Mato Rizo” sich mit ganzem Herzen dem Wendischen verschrieben hat. Dafür bedanke ich mich herzlich bei Ludmila Budar, der Vorsitzenden des Sorbischen Schulvereins. Wir brauchen mehr Liebhaber des Wendischen, die in den Ämtern tätig sind und nicht an der wendischen Sprache sparen. Der entscheidende Beitrag zum Gelingen des Projektes wird aber täglich von engagierten Erzieherinnen des Kinderparadieses „Mato Rizo” in Cottbus Sielow erbracht, die sich die Sprache in intensiven Kursen angeeignet haben und ständig an der Vervollständigung ihrer Sprachkenntnisse arbeiten, den Kindern in spielerischer Hinsicht Freude an einer anderen Sprache mitgeben und sie gut auf den bilingualen Unterricht vorbereiten. Die Erzieherinnen dieser Kita wirken als Multiplikatoren der wendischen Sprache, für die die wendische Sprache nicht nur ein Berufsgegenstand ist, sondern auch Leben.

Sie wissen, wie andere zu motivieren sind und erwecken bei den Kindern Liebe für das Wendische, damit diese sich mit der wendischen Sprache und Kultur identifizieren. Besonderen Anteil daran haben selbstverständlich: die erste Leiterin des Witaj-Kindergartens „Mato Rizo”, Gisela Hanschke, und die Erzieherinnen der ersten Stunde Margitta Altkrüger, Simone Gutschmidt und Birgit Duhra. Nach Gisela Hanschke übernahm Margitta Altkrüger die leitende Funktion, die sie auch hervorragend erfüllte. Derzeit sammelt die Leiterin Diana Buchan mit ihrem Team, welches hervorragend Wendisch spricht, Erfolge.

Allen Erzieherinnen der Kita „Mato Rizo” spreche ich meinen größten Dank aus. Die Arbeit der geehrten Kita ist beispielhaft für viele andere Kitas und Schulen in der Nieder- und Oberlausitz und gibt der ganzen wendischen Lausitz Hoffnung auf eine Zukunft der wendischen Sprache. Die Witaj-Kita „Mato Rizo” hat einen hervorragenden Verdienst an der Bewahrung und Entwicklung der wendischen Sprache und der Pflege der wendischen Bräuche. Bei manchen Gelegenheiten ziehen sich die Kinder die wendische Tracht an, lernen wendische Lieder und Tänze und treten im Sorbischen Rundfunk auf.

Manche Erzieherinnen dieser Kita waren Mitglieder der wendischen Laientheatergruppe und nahmen für den Sorbischen Rundfunk Hörspiele und Erzählungen für die Kinder auf. Einige Erzieherinnen setzen sich im wendischen Vereinsleben ein. Das Personal der ausgezeichneten Kindereinrichtung hat sein Know-how anderen Erzieherinnen und Lehrerinnen fleißig vermittelt.

Die Witaj-Kita “Mato Rizo” besuchen Kinder aus Cottbus (Sielow) sowie aus anderen Orten. Bei der Entscheidung der Eltern für die Sielower Kita spielen ohne Zweifel die Qualität des Personals und die Vermittlung der wendischen Sprache auf hohem Niveau eine große Rolle. Derzeit werden in der Kita mehr als 50 Kinder betreut.

Wegen dieser Erfolgsgeschichte gratulieren wir heute der Kindertagesstätte „Mato Rizo” und ehren sie mit dem ersten Preis „Mina Witkojc” des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur in der gleichnamigen Grund- und Oberschule in Burg.

Das MWFK und die Jury für diese Auszeichnung haben treffend gewählt und als ersten Preisträger ganz bewusst eine Institution ausgewählt, die dauerhafte Spuren im wendischen Leben hinterlassen hat. Die wendische Dichterin und einstige Redakteurin der einzigen Zeitung in wendischer Sprache, M. Witkojc, würde in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag feiern – im selben Jahr in dem das Witaj-Projekt sein 20jähriges Jubiläum feiert. Dass eine Kita mit dem Ziel, die wendische Sprache in der Lausitz weiterzugeben, die erste nach ihr benannte Auszeichnung bekommt, darüber wäre M. Witkojc sicherlich sehr erfreut gewesen. Die größte Herausforderung für alle Kitas und Schulen wird für die Zukunft sein, pädagogisches Personal zu finden, das sich mit ganzem Herzen der wendischen Sprache verschreibt und das Ziel hat, die wendische Sprache weiterzugeben. Zum Abschluß möchte ich den Erzieher/innen und Lehrer/innen zur weiteren Motivation eine Botschaft aus einem Gedicht von M. Witcojc vortragen:

Njestoj!

Stojeca wóda se skazyjo,

což njejźo doprědka, wóstanjo naslědk,

žywjenja žwała jo pókšyjo.

Togodla poraj se naprědk!

(Niedersorbisches Original, Mina Witkojc)

Bleib nicht stehn!

Stehendes Wasser verderben muss,

wer nicht nach vorne geht, wird hinten bleiben,

zudecken wird ihn des Lebens Fluss.

Vorwärts nur soll es dich treiben!

(Übersetzung ins Deutsche von Elke Nagel)

Ich gratuliere und bedanke mich bei allen Erzieherinnen der Kita „Mato Rizo“ für die gute Zusammenarbeit.

neue Webseite des Sorbischen Schulvereins www.dyrdomdej.de

Wandkarte "Sorbisches Siedlungsgebiet"

Broschüre "20 Jahre Witaj"

Videos auf Youtube

 

neuer Termin: Familienfest in Horka am 25.08.2019

Familienfest in Horka am 10.06.2018

 

 

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Sorbischer Schulverein e.V.